Am Freitag lief ich in Frankfurt über den Eisernen Steg, eine Brücke, auf der ich schon mit 14 stand. Nicht um mich runterzustürzen, sondern mir von so einem Einfaltspinsel anzuhören, dass er leider nicht so sehr in mich verliebt sei wie in die Sylvie. Das ist lange her. Später torkelte ich in manchen Nächten laut lachend darüber, meist ohne Männer. Einmal stand ich dort und dachte:Vielleicht sollte ich diese Stadt verlassen. Und tat es.
Nun hingen dort Schlösser. Sehr viele. Ich weiß nicht, wer mit diesem Schwachsinn angefangen hat, aber ich glaube, es war in Paris. Ein Abus Vorhängeschloss für die Liebe. Das soll romantisch sein, mir hat es den Atem geraubt, bei minus 11 Grad. Man muss sich das so vorstellen: Da stehen die Pärchen Hand in Hand auf diesem zugigen Brückchen, befestigen ein Fahrradschloss an einem Brückenpfahl, und schmeissen den Schlüssel in den Main. Für immer. Und wenn die Liebe irgendwann den Bach runtergeht, springen sie in den Fluss und tauchen nach ihrem Schlüsselchen, oder wie? Warum sich denn nicht gleich Handschellen anlegen? Oder eine Leine, so eine wie sie Rauhaardackel tragen, die so zurückschnurrt auf Knopfdruck, wenn er sich zu weit von seinem Herrchen entfernt. Nora& Alex haben ein besonders fettes Schloss, sogar graviert, manche waren zu bequem und haben kurzerhand ihre Namen mit Edding draufgeschmiert. Einer schrieb Fuck U. Der hatte wohl die Faxen dicke mit der Liebe.


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